AH: Der Sturm in Helsingborg legte sich über Nacht, aber es war am Morgen immer noch genügend windig. Auch die Welle stand noch, als wir gegen 10:00 ablegten.
Dann ging die Post ab: Mit halbem Wind - Yvonne am Ruder - surften wir die Wellen hinunter: bis zu 9kn!
Für Nicht-Segler: Man unterscheidet zwischen Verdränger-Booten und Booten die fähig sind zu surfen. Verdränger-Boote kommen auf Grund ihres tiefen Eintauchens ins Wasser nicht aus ihrer Welle, die sie erzeugen hinaus. Die schnellste Bootgeschwindgkeit entspricht der Wellengeschwindigkeit. Im Gegensatz zu Licht ist bei Schall- und Wasserwellen die Geschwindigkeit von der Wellenlänge abhängig. Je länger die Welle, desto schneller breitet sie sich aus. Also lange Schiffe sind schneller als kurze. Wenn ein Verdränger-Boot versucht schneller zu fahren, als die Welle in der es läuft, müsste es sozusagen die "Schallmauer" durchbrechen. Das führt aber am Ende zu Bruch. Irgend etwas hält die Gewalt, die der Motor ausübt nicht mehr aus und bricht.
Bei surffähigen Booten ist der Rumpf flach. Sie liegen quasi wie ein Brett auf dem Wasser und können auf diese Weise aus der Welle, in der die Verdrängerboote gefangen sind, herausgleiten. Damit sind Geschwindigkeiten möglich, die über die Verdränger-Fahrt hinausgehen. Tinys Rumpfgeschwindigkeit beispielsweise läge bei 6.9kn.
Da nun Yvonne am Ruder war, konnten wir trotz Reff2 ziemlich Lage schieben. Wenn ich am Ruder gewesen wäre, wäre das für sie unerträglich gewesen, aber so hatte sie das Boot in der Hand und merkte, dass die Lage handhabbar blieb. Als ich dann das Ruder übernahm bestand sie doch darauf, dass wir das Vorsegel auch reffen. Als ich schliesslich nachgab, zeigte sich, dass Tiny nicht merkbar langsamer wurde, aber sich viel besser steuern liess.
Kurz: Wenn Tiny das als Werbeveranstaltung bietet, müssen wir sagen: Werbung hat tadellos funktioniert! Wir kamen so schnell in Kopenhagen an und liefen in einen kleinen, alten Hafen ein, keine 100 m von der berühmten Meerjungfrau entfernt.
YH: heute Morgen war ich einen Moment ganz alleine bei der sinnenden jungen Mermaid. Selber auch in Gedanken. Ein schöner Moment.
So kam denn auch plötzlich der warme Sommer: Der Wind legte sich, als wir angelegt hatten und einkaufen gingen. Dabei haben wir auch der Meerjungfrau noch einen Besuch abgestattet.
Da aber Tiny sich von ihrer besten Seite gezeigt hat, haben wir tatsächlich mit einem (kleinen) Refit begonnen: Der Faekalien-Tank und das alte, nie wirklich funktionierende Kühlaggregat flog raus, dafür kam ein in Helsingborg gekaufter Kühlkasten an diese Stelle - und wir liefen zu alter Frische auf....